Der moderne Mann – gestrafft und definiert

Der kontinuierliche Zuwachs von Männern, die sich sogenannten Schönheitsoperationen unterziehen, ist in den letzten Jahren als eindeutiger Trend in der ästhetisch-plastischen Chirurgie zu verzeichnen. Laut Statistik der VDÄPC hat sich die Zahl der Ästhetisch-Plastischen Operationen beim Mann im Jahr 2018 verglichen mit dem Vorjahr verdoppelt. Wir fragten Prof. Dr. med. Dennis von Heimburg, Präsident der VDÄPC, nach seiner Einschätzung.

Welche Gründe sind Ihrer Meinung nach verantwortlich für die steigende Zahl männlicher Patienten?
In sämtlichen Lebensbereichen werden Männer körperbewusster.
Ob Körperpflege, Kosmetik, Mode, Fitness oder ästhetische Operationen – der Wunsch nach einem perfekten Körper ist bei Männern heute so groß wie noch nie zuvor. Beim Mann bedeutet dies vor allem die Formung des Körpers und Definierung der Körperoberfläche. Auch älter werdende Männer wollen Kraft, Ausdauer und Stärke demonstrieren. Viele Männer verknüpfen mit diesen Attributen auch Erfolg im Beruf. Vorbilder, wie dies bei weiblichen Patientinnen seit langem üblich ist, gibt es auch für männliche Patienten: War dies vor einigen Jahren George Clooney, so sind es heute Schauspieler wie Alden Ehrenreich, Tyson Beckford oder Dwayne „The Rock“ Johnson.

Welche Wünsche äußern männliche Patienten?
Männer wünschen in der Regel ein möglichst natürliches Aussehen und keinen „surgical look“. Die Arbeit des Plastischen Chirurgen sollte am besten keine Spuren hinterlassen. Narbensparendes Operieren stellt für die Patienten ein absolutes Muss dar. Ziel der körperformenden Operationen ist meist die Reduktion von Fettpolstern an bestimmten Arealen wie den Flanken („love handles“), dem Bauch und der unvorteilhaften Männerbrust. Eine prominente Kieferlinie und ein markantes Kinn werden ebenfalls immer häufiger gewünscht. Das soll mehr Durchsetzungsvermögen verleihen.

Bild: Unsplash – Olsztyn

Welche Eingriffe werden am häufigsten von Männern nachgefragt?
Neben der allgemeinen Verminderung des Körperfettgehalts stehen spezielle Definierungen einzelner Körperbereiche ganz oben auf der Wunschliste von Männern. Dazu gehört beispielsweise die Brustmuskelaugmentation und -definierung, die Definierung von Armmuskeln (Trizeps, Bizeps und Unterarmmuskulatur), der Gesäß- und Wadenmuskeln oder ein „Sixpack“ durch körpereigenes Fettgewebe.

Ein beliebter Eingriff zur Bauchmuskelformung ist beispielsweise das „Abdominal sculpting“. Für die Ausformung der Bauchmuskeln werden keine Silikonimplantate verwendet, sondern es erfolgt eine definierende Fettabsaugung und der Aufbau durch Eigenfettgewebe. Beim sogenannten Abdominal etching oder Body-banking hingegen wird das Fettgewebe gezielt geformt. Das entfernte Fettgewebe wird in und um die Muskelpartien transplantiert, die dadurch voller werden.

Außerdem werden von Männern zunehmend auch gesichtschirurgische Eingriffe nachgefragt. In der VDÄPC-Mitgliederbefragung befindet sich die Oberlidstraffung seit Jahren unter den Top 3 in der Behandlungsstatistik.
Neben dem Dauerbrenner Oberlidplastik interessiert sich der moderne Mann heute für Faceliftverfahren mit dem Aufbau oder der Betonung verschiedener Merkmale. Das betrifft insbesondere die Kinnformung, die Ausformung einer markanten Unterkieferlinie, die dauerhafte Glättung der Unterlidpolster und die Betonung der Wangenknochen oder auch die Ausbildung von Wangengrübchen.

Gehen Männer mit dem Thema Ihrer Erfahrung nach anders um als Frauen? 
Männer entscheiden sich nach meiner Erfahrung schneller als Frauen für die Durchführung eines operativen Eingriffs. Wenn sich Männer in der Sprechstunde vorstellen, dann haben sie häufig bereits den Entscheidungsprozess durchlaufen und wissen, dass sie die Veränderung unbedingt wollen. Sie entscheiden sich dann rascher. Der plastische Chirurg sollte in diesen Fällen immer darauf hinweisen, dass eine Bedenkzeit empfehlenswert ist und die Entscheidung nicht zu schnell gefällt werden sollte.

In welchen Fällen würden Sie von einer OP abraten? Welche Risiken sollten Patienten und Angehörige kennen und bedenken?
Wenn auffällt, dass unrealistische Vorstellungen den männlichen Patienten zum plastischen Chirurgen treiben, dann ist unbedingt Vorsicht geboten. Die Plastische Chirurgie kann keine Partnerkonflikte lösen. Ästhetische Operationen oder Behandlungen können nur eingeschränkt Alltagsprobleme lösen oder im Beruf Aufstiegschancen ermöglichen. Manchmal fordern die männlichen Patienten auch Behandlungen, die nicht zum Rest des Körpers passen. Ein Sixpack muss zum Rest des Körpers passen, ansonsten wirkt es lächerlich. Hier ist der Expertenrat des Chirurgen gefragt. Der Arzt sollte solche unrealistischen Erwartungen dämpfen und die Behandlung ablehnen, selbst wenn der Patient dann zu einem anderen Operateur geht.

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Prof. Dr. med. Dennis von Heimburg, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie mit der Zusatzbezeichnung Handchirurgie, mit eigener Praxis in Frankfurt; Präsident der VDÄPC

Interview: VDÄPC-Redaktion

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